Die Entscheidung zwischen einer 11-kW- und einer 22-kW-Wallbox wirkt auf den ersten Blick wie eine reine Frage der Geschwindigkeit. In der Praxis hängt die passende Lösung jedoch von mehreren Faktoren ab: vom Fahrzeug (genauer: vom verbauten Onboard-Lader), von Ihrer täglichen Fahrleistung, von der Verfügbarkeit des Autos über Nacht, von der Elektroinstallation im Haus sowie von Melde- und Genehmigungspflichten beim Netzbetreiber. Wer hier zu kurz denkt, zahlt im Zweifel doppelt – entweder weil die Installation unnötig teuer wird oder weil die Ladeleistung im Alltag doch nicht ausreicht.
Dieser Leitfaden erklärt Ihnen anhand konkreter Beispiele, wie Sie die Wallbox-Ladeleistung sinnvoll an Ihren Alltag anpassen. Sie bekommen realistische Ladezeit-Rechnungen, eine klare Einordnung der typischen Kosten (Wallbox, Elektriker, Zählerplatz, Schutztechnik), Hinweise zum Netzanschluss und einen Entscheidungscheck, der auch zukünftige Anforderungen berücksichtigt – etwa ein zweites E-Auto, Wärmepumpe oder PV-Anlage.
Was 11 kW und 22 kW beim Laden tatsächlich bedeuten
„11 kW“ und „22 kW“ beschreiben die maximale elektrische Leistung, die eine Wallbox dem Auto beim AC-Laden (Wechselstrom) bereitstellen kann. Leistung ist dabei vereinfacht gesagt „Energie pro Zeit“. Je höher die Leistung, desto schneller kann – theoretisch – geladen werden. Entscheidend ist das Wort theoretisch, denn in der Realität begrenzen mehrere Komponenten die tatsächlich nutzbare Ladeleistung.
AC-Laden: Wallbox und Onboard-Lader müssen zusammenpassen
Bei einer Wallbox zu Hause laden Sie in der Regel mit AC. Die Wallbox ist dabei kein „Schnelllader“ im DC-Sinne, sondern eine intelligente Steckdose mit Sicherheits- und Steuerfunktionen. Die eigentliche Umwandlung von Wechselstrom aus dem Netz in Gleichstrom für die Batterie übernimmt der Onboard-Lader im Fahrzeug. Genau dieser Onboard-Lader ist häufig der Engpass.
Viele E-Autos können serienmäßig nur 11 kW AC laden. Manche Modelle bieten 22 kW optional, andere bleiben dauerhaft bei 7,4 kW (einphasig) oder 11 kW (dreiphasig). Eine 22-kW-Wallbox bringt Ihnen bei einem Auto, das nur 11 kW aufnehmen kann, im Alltag keine kürzeren Ladezeiten – sie kann nur schneller, wenn das Auto es zulässt.
Einphasig vs. dreiphasig: warum 11 kW so verbreitet sind
In Deutschland ist dreiphasiger Anschluss Standard. 11 kW entstehen typischerweise aus 3 Phasen à 16 A (3 × 230 V × 16 A ≈ 11 kW). 22 kW entsprechen 3 Phasen à 32 A (3 × 230 V × 32 A ≈ 22 kW). Für 22 kW steigen also die Ströme deutlich – und damit auch die Anforderungen an Leitungsquerschnitte, Absicherung, Fehlerstromschutz, Wärmeentwicklung und manchmal an den Zählerplatz.
„Maximal“ heißt nicht „immer“: Ladeleistung schwankt
Selbst wenn Wallbox, Auto und Netzanschluss 22 kW hergeben, lädt ein Akku nicht permanent mit maximaler Leistung. Gründe sind:
- Ladekurve: Mit steigendem SoC (State of Charge) reduziert das Batteriemanagement oft die Leistung.
- Temperatur: Bei Kälte oder großer Hitze drosseln viele Fahrzeuge.
- Netz- oder Hauslast: Wenn Lastmanagement aktiv ist, wird die Leistung abhängig vom übrigen Verbrauch reduziert.
Für Ihre Planung bedeutet das: Rechnen Sie nicht mit dem Idealwert, sondern mit realistischen Durchschnittswerten. Für AC-Laden zu Hause ist eine Annahme von 80–95 % der Nennleistung oft näher an der Praxis als „volle 11 oder 22 kW über Stunden“.
Wirkungsgrad und „Netto-Laden“: nicht jede kWh kommt im Akku an
Beim Laden entstehen Verluste (Wärme, Umwandlung, Nebenverbrauch des Fahrzeugs). Diese Verluste liegen beim AC-Laden je nach Fahrzeug und Leistung grob im Bereich von 5–15 %. Bei sehr niedrigen Ladeleistungen können die relativen Verluste steigen, weil Nebenverbraucher (Kühlung/Heizung, Bordelektronik) länger laufen. Daraus folgt ein pragmatischer Rat: Eine ausreichend dimensionierte, aber nicht überdimensionierte Lösung ist oft effizienter als ein dauerhaft sehr langsames Laden.
Warum die „richtige“ Leistung eine Alltagsfrage ist
Ob 11 oder 22 kW sinnvoll sind, hängt weniger von spektakulären Maximalwerten ab, sondern davon, wie lange Ihr Auto typischerweise am Stück steht und wie viel Energie Sie pro Tag nachladen müssen. Wer jeden Abend zehn Stunden Standzeit hat, braucht selten 22 kW. Wer hingegen häufig spät ankommt, früh wieder losmuss oder mehrere Fahrzeuge „teilen“ muss, profitiert eher von höherer Leistung – vorausgesetzt, Fahrzeug und Netzanschluss spielen mit.
Damit sind wir beim Kern: Nicht die höchste Zahl gewinnt, sondern die Wallbox-Ladeleistung, die Ihren Tagesablauf zuverlässig abdeckt, ohne Installation und Netzanschluss unnötig zu verkomplizieren.
Ladezeiten realistisch berechnen: Beispiele für typische Haushalte
Die wichtigste Frage von Privatpersonen lautet: „Wie lange dauert es, bis mein Auto wieder voll ist?“ Eine bessere, alltagstauglichere Frage ist: „Wie lange brauche ich, um die Energie für morgen nachzuladen?“ Denn fast niemand fährt die Batterie täglich von 0 auf 100 %. Wenn Sie Ladezeiten für Ihren Alltag bewerten, sollten Sie daher in kWh pro Tag denken – und diese kWh dann in Stunden umrechnen.
Die Grundformel für zu Hause
Vereinfacht gilt:
- Nachzuladende Energie (kWh) = Verbrauch (kWh/100 km) × gefahrene Strecke (km) / 100
- Ladezeit (h) ≈ Nachzuladende Energie (kWh) / nutzbare Ladeleistung (kW)
Für die nutzbare Ladeleistung können Sie bei 11 kW in der Praxis oft mit etwa 10 kW rechnen, bei 22 kW mit etwa 20 kW – abhängig von Fahrzeug und Bedingungen. Das ist keine harte Regel, aber ein brauchbarer Startwert.
Beispiel 1: Pendler mit 40 km pro Tag
Angenommen, Ihr E-Auto verbraucht 18 kWh/100 km und Sie fahren 40 km täglich. Dann brauchen Sie:
- 18 × 40 / 100 = 7,2 kWh pro Tag
Bei rund 10 kW nutzbarer Leistung an einer 11-kW-Wallbox laden Sie das in deutlich unter einer Stunde nach. Selbst wenn Sie nur jeden zweiten Tag laden, sind es rund 1,5 Stunden. In diesem Szenario ist 22 kW im Alltag meist kein Muss.
Beispiel 2: Vielnutzer mit 120 km pro Tag
120 km bei 20 kWh/100 km ergeben:
- 20 × 120 / 100 = 24 kWh pro Tag
Das entspricht an 11 kW (realistisch ~10 kW) etwa 2,5 Stunden. An 22 kW (realistisch ~20 kW) wären es etwa 1,2 Stunden. Die Frage lautet nun: Haben Sie diese 2,5 Stunden regelmäßig als Standzeit verfügbar? Wenn das Auto ohnehin über Nacht steht, ist 11 kW weiterhin komfortabel. Wenn Sie aber häufig spät nach Hause kommen und morgens sehr früh wieder losmüssen, kann 22 kW den Unterschied zwischen „immer voll genug“ und „manchmal zu wenig“ ausmachen.
Beispiel 3: Ein Haushalt, zwei E-Autos, eine Wallbox
Hier entscheidet weniger die einzelne Ladung als die Organisation. Nehmen wir an, beide Autos brauchen zusammen an einem Tag 40 kWh. Mit 11 kW sind das rund 4 Stunden, mit 22 kW rund 2 Stunden. Das klingt zunächst nach Luxus. In der Praxis entstehen die Vorteile vor allem dann, wenn:
- beide Autos nur kurze Überschneidungszeiten zu Hause haben,
- Sie nacheinander statt parallel laden müssen,
- oder ein „schnelles Nachladen“ zwischen Terminen nötig ist.
Alternativ kann ein Lastmanagement (statisch oder dynamisch) zwei Ladepunkte mit 11 kW pro Fahrzeug sinnvoller machen als ein einzelner 22-kW-Punkt. Das ist ein eigenes Unterthema, das Sie idealerweise in einem separaten Ratgeber zu „Lastmanagement zu Hause“ vertiefen.
Beispiel 4: PV-Anlage und möglichst hoher Eigenverbrauch
Mit Photovoltaik verschiebt sich die Bewertung. Wenn Sie tagsüber Überschüsse nutzen wollen, ist nicht zwingend „maximal schnell“ wichtig, sondern „möglichst passend zur PV-Leistung“. Viele Haushalte erreichen mittags vielleicht 3–8 kW Überschuss, nicht dauerhaft 11 oder 22 kW. Eine smarte Wallbox, die die Ladeleistung fein regeln kann (z. B. 6–16 A pro Phase), ist hier wertvoller als eine starre Hochleistung.
Allerdings kann eine 22-kW-Wallbox technisch Vorteile bieten, weil sie häufig einen größeren Regelbereich und stärkere Reserven hat – selbst wenn Sie im Alltag oft auf 4–8 kW begrenzen. Entscheidend ist, ob Sie diese Reserven auch nutzen dürfen (Netzanschluss/Genehmigung) und ob Ihr Auto 22 kW AC überhaupt unterstützt.
Was Sie aus den Beispielen mitnehmen sollten
Die richtige Wallbox-Ladeleistung ergibt sich aus Ihrem täglichen Energiebedarf und Ihrer real verfügbaren Standzeit. Für viele Privatpersonen deckt 11 kW den Alltag problemlos ab, weil über Nacht genügend Zeit ist. 22 kW wird dann interessant, wenn Zeitfenster knapp sind, mehrere Fahrzeuge organisiert werden müssen oder Sie bewusst „schnelle Pufferladung“ vor längeren Fahrten brauchen – und Ihr Fahrzeug die höhere AC-Leistung auch nutzen kann.
Kosten und Installation: Wo 22 kW wirklich teurer werden können
Die Kostenfrage entscheidet in vielen Haushalten. Wichtig ist dabei, nicht nur den Preis der Wallbox zu vergleichen, sondern das Gesamtpaket aus Hardware, Elektroinstallation, Schutztechnik und eventuell notwendigen Anpassungen am Zählerplatz. In der Praxis kann eine 22-kW-Installation deutlich teurer sein, muss es aber nicht – es hängt stark von den Gegebenheiten im Haus ab.
Typische Kostenblöcke im Überblick
Rechnen Sie bei einer fachgerechten Installation mit folgenden Positionen:
- Wallbox-Hardware: abhängig von Hersteller, App-Funktionen, Eichrechtskonformität, Zugangsschutz, Kabel vs. Dose.
- Montage und Inbetriebnahme durch eine Elektrofachkraft.
- Zuleitung (Leitungsweg, Kabelkanal, Wanddurchbrüche, Erdarbeiten bei Außenmontage).
- Absicherung (Leitungsschutzschalter) und Fehlerstromschutz (FI Typ A EV oder Typ B, je nach Wallbox-Konzept).
- Arbeiten am Zählerschrank (Platz schaffen, zusätzliche Felder, Überspannungsschutz, Anpassung an aktuelle Normen).
- Optional: Lastmanagement, Energiemesser, Integration in PV/EMS.
Ein häufiger Irrtum: „Die 22-kW-Wallbox kostet nur ein bisschen mehr, also ist 22 kW nur ein bisschen teurer.“ In Wirklichkeit sind es oft die höheren Ströme (32 A statt 16 A), die stärkere Leitungen und Schutzorgane erforderlich machen können.
Leitungsquerschnitt und Absicherung: der heimliche Kostentreiber
Bei 22 kW fließt pro Phase typischerweise der doppelte Strom gegenüber 11 kW. Das bedeutet: Je nach Leitungslänge, Verlegeart und Umgebungstemperatur kann ein größerer Querschnitt notwendig sein, um Spannungsfall und Erwärmung im zulässigen Rahmen zu halten. Gerade bei langen Leitungswegen (Garage am Grundstücksende, Carport) kann das Material deutlich teurer werden.
Auch die Absicherung wird größer dimensioniert. Hinzu kommt: Manche Bestandsanlagen haben im Zählerschrank schlicht nicht genug Reserven oder entsprechen nicht mehr dem Stand, der bei Erweiterungen gefordert ist. Dann kann aus einem „Wallbox-Projekt“ schnell ein „Zählerschrank-Projekt“ werden – unabhängig davon, ob Sie 11 oder 22 kW wählen.
Schutztechnik: FI, DC-Fehlerstromerkennung, Überspannungsschutz
Beim Laden können glatte Gleichfehlerströme auftreten. Viele moderne Wallboxen haben deshalb eine integrierte DC-Fehlerstromüberwachung (z. B. 6 mA). Dann reicht in der Zuleitung häufig ein FI Typ A. Fehlt diese Überwachung, kann ein FI Typ B nötig sein, der teurer ist. Diese Entscheidung hängt weniger von 11 vs. 22 kW ab, sondern vom Wallbox-Modell. Trotzdem: Wer ohnehin investiert, sollte die Schutztechnik nicht „auf Kante“ planen, sondern sauber dokumentiert und normgerecht umsetzen lassen.
Betriebskosten: Strompreis, Verluste, Tarifmodelle
Die laufenden Kosten werden primär durch Ihren Stromtarif bestimmt, nicht durch 11 oder 22 kW. Dennoch gibt es indirekte Effekte: Wer schneller laden kann, hat mehr Flexibilität, günstige Zeitfenster zu nutzen (z. B. Nachtstrom, dynamische Tarife). Bei passenden Tarifen kann das bares Geld sein. Gleichzeitig können bei sehr niedrigen Leistungen höhere relative Ladeverluste auftreten. Für die meisten Haushalte ist der Unterschied aber kleiner als oft vermutet.
Förderungen, steuerliche Aspekte und Messkonzepte
Förderprogramme ändern sich. Wichtig ist daher weniger „Welche Förderung gibt es heute?“, sondern „Welche technischen Voraussetzungen verlangen Fördergeber häufig?“ Dazu gehören oft:
- fachgerechte Installation und Nachweis,
- steuerbare Verbraucher bzw. netzdienliche Steuerbarkeit,
- separate Zählung oder Messkonzept bei PV und Speicher.
Wenn Sie hier tiefer einsteigen möchten, lohnt sich ein eigener Beitrag zu „Wallbox-Förderung und Messkonzepten“ – denn diese Themen beeinflussen die Planung häufig stärker als die reine Leistungszahl.
Kostenfazit: Wann 11 kW wirtschaftlicher sind
Für viele Privatpersonen ist 11 kW die wirtschaftlichste Lösung, weil sie mit moderaten Anforderungen an Leitungen und Absicherung auskommt und gleichzeitig alltagstaugliche Ladezeiten liefert. 22 kW können sich lohnen, wenn die Mehrkosten gering bleiben (kurzer Leitungsweg, moderne Elektroverteilung, Auto mit 22-kW-Onboard-Lader) und wenn Sie die höhere Leistung regelmäßig nutzen. Genau diese Abwägung ist ein Kernpunkt bei der Wahl der Wallbox-Ladeleistung.
Netzanschluss, Meldepflicht und Genehmigung: Was Sie beachten müssen
Spätestens bei der Frage „Darf ich überhaupt 22 kW installieren?“ wird das Thema Netzanschluss zentral. In Deutschland gelten für Ladeeinrichtungen bestimmte Regeln gegenüber dem Netzbetreiber. Dazu kommen technische Normen und Vorgaben für den sicheren Betrieb. Für Privatpersonen ist wichtig: Planen Sie nicht „am Netz vorbei“. Eine Wallbox ist kein Toaster, sondern eine dauerhaft hohe Last – und genau so wird sie im Netz betrachtet.
Anmeldung vs. Genehmigung: der entscheidende Unterschied
Üblich ist: Ladeeinrichtungen müssen dem Netzbetreiber gemeldet werden; ab einer bestimmten Leistung kann zusätzlich eine Genehmigung erforderlich sein. In der Praxis bedeutet das:
- Eine 11-kW-Wallbox ist in der Regel meldepflichtig.
- Eine 22-kW-Wallbox ist häufig genehmigungspflichtig.
Die Details können je nach Netzbetreiber variieren, und auch regulatorische Entwicklungen (z. B. steuerbare Verbrauchseinrichtungen) können die Rahmenbedingungen verändern. Verlassen Sie sich daher nicht auf Hörensagen, sondern klären Sie den Prozess frühzeitig mit Ihrem Elektriker und dem zuständigen Netzbetreiber.
Hausanschluss und Anschlussleistung: reicht Ihre Reserve?
Ob 22 kW technisch möglich sind, hängt davon ab, welche Anschlussleistung Ihr Hausanschluss hergibt und welche Verbraucher parallel laufen. Typische zusätzliche Lasten, die die Rechnung verändern:
- Wärmepumpe (je nach Betriebszustand mehrere kW),
- Durchlauferhitzer (sehr hohe Leistung, kurzzeitig),
- E-Herd, Sauna, Klimageräte,
- PV-Wechselrichter und Speicher (je nach Messkonzept).
Hier kommt das Thema dynamisches Lastmanagement ins Spiel: Es kann die Ladeleistung automatisch absenken, sobald im Haus viel Leistung benötigt wird. So können Sie eine Wallbox installieren, die technisch 22 kW könnte, im Alltag aber netz- und hausverträglich regelt. Das kann eine elegante Lösung sein – erfordert aber saubere Planung, passende Messhardware und Konfiguration.
Mehrfamilienhaus, Tiefgarage, WEG: zusätzliche Hürden
Im Einfamilienhaus entscheiden Sie meist selbst. Im Mehrfamilienhaus oder in einer WEG kommen weitere Aspekte dazu: Zählerzuordnung, Brandschutzvorgaben, Leitungswege über Gemeinschaftseigentum, Abrechnung, Lastmanagement für mehrere Stellplätze. In solchen Projekten ist 22 kW pro Stellplatz selten realistisch, weil die Summenleistung schnell sehr hoch wird. Häufig ist ein Konzept aus mehreren Ladepunkten mit moderater Leistung, kombiniert mit Lastmanagement, die bessere Lösung.
Wenn Sie betroffen sind, lohnt sich ein eigener Vertiefungsartikel zu „Wallbox in der WEG: Rechte, Technik, Abrechnung“ – denn dort werden die entscheidenden Weichen gestellt, unabhängig von 11 oder 22 kW.
Netzdienliche Steuerung und Zukunftsthemen
Der Trend geht zu steuerbaren Verbrauchern und intelligenten Messsystemen. Das bedeutet für Sie: Eine Wallbox sollte nicht nur „Strom liefern“, sondern perspektivisch auch mit Netz- oder Energiemanagement interagieren können. Das spricht häufig für Modelle mit:
- LAN/WLAN und stabiler App/Backend-Unterstützung,
- OCPP-Kompatibilität (vor allem bei komplexeren Setups),
- Modbus/EMS-Anbindung für PV-Überschussladen,
- einstellbarer Stromstärke (z. B. 6–16 A bzw. bis 32 A),
- Zugangsschutz (RFID), wenn mehrere Nutzer laden.
Die Leistung (11 oder 22 kW) ist dabei nur ein Baustein. Wer die Wallbox-Ladeleistung zukunftssicher plant, achtet darauf, dass die Box regelbar ist und sich in ein Gesamtsystem einfügen kann.
So finden Sie die passende Wallbox-Ladeleistung: Entscheidungshilfe mit Checklisten
Am Ende wollen Sie eine klare Antwort: 11 oder 22 kW? Die praxisnahe Lösung ist eine Entscheidung in drei Schritten: (1) Fahrzeugcheck, (2) Alltagsprofil, (3) Haus- und Netzcheck. Daraus ergibt sich meist eindeutig, welche Wallbox-Ladeleistung sinnvoll ist – und ob 22 kW echte Vorteile bringen oder nur auf dem Papier schneller sind.
Schritt 1: Fahrzeugcheck – was kann Ihr Auto wirklich?
Prüfen Sie in den technischen Daten oder im Fahrzeugmenü:
- Maximale AC-Ladeleistung (z. B. 7,4 / 11 / 22 kW)
- Phasenanzahl (einphasig/dreiphasig)
- Optionen: War 22 kW ein Aufpreis? (Bei manchen Modellen ja.)
Wenn Ihr Auto maximal 11 kW AC kann, ist eine 22-kW-Wallbox in puncto Ladezeit im Regelfall kein Gewinn. Dann lohnt 22 kW höchstens als „Investition in das nächste Auto“ oder wenn Sie perspektivisch mehrere Fahrzeuge bedienen wollen.
Schritt 2: Alltagsprofil – wie viel müssen Sie wann nachladen?
Beantworten Sie diese Fragen ehrlich, am besten mit Zahlen aus Ihrem Kalender:
- Wie viele Kilometer fahren Sie an einem typischen Wochentag?
- Wie lange steht das Auto am Stück zu Hause (z. B. 20:00–07:00)?
- Gibt es häufig kurze Zwischenstopps, in denen „schnell nachladen“ helfen würde?
- Gibt es in 12–24 Monaten ein zweites E-Auto im Haushalt?
Faustregel: Wenn Sie fast immer 6–10 Stunden Standzeit haben, ist 11 kW für die meisten Fahrprofile komfortabel. Wenn Ihre Standzeit häufig unter 3 Stunden fällt oder Sie regelmäßig große Energiemengen in kurzen Fenstern nachladen müssen, kann 22 kW sinnvoll sein – sofern Auto und Netzanschluss es hergeben.
Schritt 3: Haus- und Netzcheck – Installation, Reserven, Genehmigung
Diese Punkte klärt am besten eine Elektrofachkraft im Rahmen einer Vor-Ort-Begehung:
- Wie lang ist der Leitungsweg? (Keller → Garage, Außenwand → Carport etc.)
- Welche Reserven hat der Zählerschrank? Muss er erweitert werden?
- Welche Absicherung und welcher FI sind erforderlich?
- Ist dynamisches Lastmanagement sinnvoll oder nötig?
- Welche Schritte verlangt der Netzbetreiber (Meldung/Genehmigung)?
Gerade hier kippt die Kosten-Nutzen-Rechnung häufig. Wenn 22 kW umfangreiche Umbauten auslösen, während 11 kW „sauber durchgeht“, ist 11 kW in vielen Fällen die rationalere Wahl.
Empfehlungen nach Nutzertyp
Diese Einordnung funktioniert in der Praxis erstaunlich gut:
- 11 kW sind meist ideal für Einfamilienhaus, ein E-Auto, Laden über Nacht, tägliche Strecken bis grob 150 km, oder wenn das Auto ohnehin lange steht.
- 22 kW lohnen sich eher bei sehr knappem Zeitfenster, häufigen Langstrecken mit schneller Wiederherstellung eines hohen SoC, zwei E-Autos mit „Wechsel-Laden“ an einem Punkt, oder wenn Ihr Auto 22 kW AC unterstützt und die Installation ohne großen Mehraufwand möglich ist.
Der pragmatische Kompromiss: 22-kW-Wallbox, aber intelligent begrenzen
Viele Haushalte entscheiden sich für eine Wallbox, die technisch 22 kW kann, betreiben sie aber zunächst mit 11 kW (oder dynamisch geregelt). Das kann sinnvoll sein, wenn:
- Sie heute mit 11 kW auskommen, aber „Reserve“ möchten.
- ein künftiges Fahrzeug 22 kW AC unterstützen könnte.
- Sie Lastmanagement oder PV-Überschussladen planen und eine flexible Box wollen.
Wichtig: Auch wenn Sie später hochrüsten möchten, bleibt die Genehmigungsfrage bestehen. Außerdem muss die Installation (Leitung, Schutzorgane) die 22 kW von Anfang an unterstützen, sonst ist es kein echtes „Upgrade“, sondern eine neue Baustelle.
Fazit: Welche Ladeleistung passt wirklich zu Ihrem Alltag?
Für die Mehrheit der Privatpersonen ist eine 11-kW-Wallbox die beste Kombination aus Komfort, Kosten und Installationsaufwand: Sie lädt schnell genug für den Alltag, ist meist unkomplizierter anzumelden und passt zu den Onboard-Ladern vieler Fahrzeuge. Eine 22-kW-Wallbox ist dann die richtige Wahl, wenn Sie nachweislich knappe Ladefenster haben, mehrere Fahrzeuge organisieren müssen oder ein Auto besitzen, das 22 kW AC tatsächlich nutzen kann – und wenn Netzanschluss und Elektroinstallation ohne unverhältnismäßige Mehrkosten mitspielen. Entscheidend ist nicht die größte Zahl auf dem Karton, sondern eine Wallbox-Ladeleistung, die Ihr reales Fahrprofil zuverlässig abdeckt und zugleich sauber in Haus und Netz integriert ist. Wenn Sie die drei Schritte Fahrzeugcheck, Alltagsprofil und Haus-/Netzcheck systematisch durchgehen, erhalten Sie eine klare, belastbare Entscheidung statt eines Bauchgefühls.

