Visualisiert das typische Symptom: Batterie wirkt nach ein paar Tagen Standzeit plötzlich schwach.

Ruhestrom richtig messen: Stromfresser im Auto finden

Wenn die Autobatterie scheinbar ohne Grund nach ein paar Tagen Standzeit schlappmacht, steckt häufig ein zu hoher Ruhestrom dahinter. Moderne Fahrzeuge haben Steuergeräte, Komfortfunktionen und Nachrüsttechnik, die auch im geparkten Zustand kleine Ströme ziehen dürfen. Kritisch wird es, wenn ein Modul nicht „einschläft“, ein defekter Schalter dauerhaft aktiv bleibt oder ein Zubehörteil (z. B. Dashcam) unbemerkt weiterläuft. Genau hier hilft es, den Ruhestrom zu messen – nach dem gleichen Prinzip, das auch Werkstätten nutzen.

Mit der richtigen Vorgehensweise können Sie den Fehler meist ohne Spezialdiagnose eingrenzen: erst den Grundwert sauber ermitteln, dann systematisch den verursachenden Stromkreis finden. Wichtig sind Geduld (Schlafmodus abwarten), sauberes Anschließen und ein realistischer Blick auf Grenzwerte.

Typische Hinweise auf heimliche Verbraucher im Stand

Bevor Sie messen, lohnt sich ein kurzer Plausibilitätscheck. Klassisch ist die Situation, dass das Auto nach einer Nacht noch startet, nach drei bis fünf Tagen Standzeit aber nicht mehr. Oft fällt zusätzlich auf, dass Innenraum- oder Kofferraumleuchten gelegentlich an bleiben, das Infotainment „wach“ wirkt oder ein Nachrüstgerät warm wird. Auch ein ständig aktives Bluetooth- oder WLAN-Modul, ein defekter Türkontaktschalter oder eine klemmende Heckklappenverriegelung können Steuergeräte am Einschlafen hindern.

Typische Stromfresser sind unter anderem:

  • Nachrüst-Zubehör (Dashcam, OBD-Dongle, Alarmanlage, Ladeadapter)
  • Beleuchtung (Handschuhfach, Kofferraum, Spiegel, Fußraum)
  • Komfortsteuergeräte, die durch Fehlkontakte wach bleiben
  • Defekte Relais, die nicht sauber abfallen

Wichtig: Ein schwacher Akku kann das Problem verstärken, ist aber nicht automatisch die Ursache. Erst wenn Sie den Standverbrauch kennen, lässt sich entscheiden, ob es um eine Batterie, um Ladeprobleme oder tatsächlich um einen versteckten Verbraucher geht.

Ruhestrom messen: So arbeiten Werkstätten Schritt für Schritt

Werkstätten gehen beim Ruhestrom-Messen methodisch vor, um Messfehler zu vermeiden. Sie können das zu Hause nachbilden, wenn Sie sorgfältig arbeiten und die Sicherheitsregeln beachten. Benötigt werden ein Multimeter mit Strommessbereich (mindestens 10 A, abgesichert) oder idealerweise eine DC-Stromzange sowie ein passendes Kabel/Adapter. Eine Stromzange ist komfortabler, das Multimeter ist weit verbreitet, erfordert aber das Auftrennen des Stromkreises.

Vorbereitung

  1. Batterie vollständig laden, damit die Werte vergleichbar sind.
  2. Alle Verbraucher ausschalten, Fahrzeug verriegeln, Schlüssel/Keyless-Funk fern halten.
  3. Türen, Motorhaube und Kofferraum so „schließen“, dass das Auto denkt, es sei zu (falls Sie Zugang brauchen: Schließfalle vorsichtig einrasten, ohne die Tür zuzuknallen).

Messung mit Multimeter (in Reihe)

Beim Multimeter lösen Sie meist den Minuspol, setzen das Messgerät in Reihe zwischen Batteriepol und Massekabel und wählen zunächst den hohen Strombereich (10 A). Anschließend warten Sie, bis Steuergeräte in den Schlafmodus gehen. Je nach Fahrzeug dauert das 10 bis 40 Minuten. Erst dann ist der Wert aussagekräftig. Vermeiden Sie währenddessen Aktionen wie Funkfernbedienung drücken oder Türen öffnen, weil das die Systeme wieder aufweckt und die Anzeige sprunghaft erhöht.

Stromfresser einkreisen: Sicherungen ziehen ohne Chaos

Wenn der gemessene Ruhestrom deutlich zu hoch ist, folgt die eigentliche Diagnose: Sie identifizieren den Stromkreis, der den Verbrauch verursacht. In Werkstätten wird dazu häufig per Diagnosegerät geprüft, welche Steuergeräte aktiv sind. Für Privatpersonen ist die praxisnahe Methode das schrittweise Ziehen von Sicherungen, während die Messung weiterläuft. Wichtig ist dabei ein systematisches Vorgehen, damit Sie hinterher alles korrekt wieder einsetzen.

Gehen Sie so vor:

  1. Notieren oder fotografieren Sie den Sicherungskasten (Belegung/Positionen).
  2. Ziehen Sie eine Sicherung, warten Sie kurz und beobachten Sie die Stromänderung.
  3. Springt der Wert deutlich nach unten, haben Sie den relevanten Stromkreis gefunden.
  4. Setzen Sie Sicherungen wieder ein, bevor Sie zum nächsten Kasten wechseln.

Beachten Sie, dass manche Steuergeräte nach dem Ziehen einer Sicherung wieder „aufwachen“ und kurzfristig mehr ziehen. Geben Sie dem Fahrzeug nach jeder Änderung etwas Zeit. Bei Fahrzeugen mit vielen Komfortfunktionen kann es sinnvoll sein, zuerst Nachrüstgeräte vollständig abzuklemmen, weil diese häufig die Ursache sind. Wenn Sie den Ruhestrom messen und dabei ein Zubehörteil als Auslöser identifizieren, ist die Lösung oft simpel: korrektes Dauerplus/Zündplus, ein Schalter, ein Timer oder eine fachgerechte Umverdrahtung.

Grenzwerte, Risiken und sinnvolle nächste Schritte

Was ist „normal“? Viele Fahrzeuge liegen nach dem Einschlafen grob im Bereich von 20 bis 50 mA, bei umfangreicher Ausstattung auch etwas darüber. Kritisch wird es, wenn dauerhaft deutlich höhere Werte anliegen, weil das die Batterie bei Standzeiten spürbar entlädt. Ein Rechenbeispiel: 150 mA über mehrere Tage können eine durchschnittliche Starterbatterie so weit schwächen, dass der Startstrom nicht mehr reicht – besonders bei Kälte oder wenn die Batterie nicht mehr neu ist.

Risiken beim Messen entstehen vor allem durch falsches Anschließen. Wenn Sie mit dem Multimeter im Stromkreis arbeiten und dann versehentlich einen großen Verbraucher aktivieren (z. B. Zündung, Heckscheibenheizung), kann die Messsicherung durchbrennen. Arbeiten Sie deshalb immer im hohen Messbereich und schalten Sie nichts ein. Bei Unsicherheit ist eine DC-Stromzange die sicherere Alternative.

Wenn der Wert grenzwertig ist, aber kein eindeutiger Stromkreis auffällt, prüfen Sie zusätzlich:

  • Ladespannung der Lichtmaschine (Ladeproblem statt Ruhestromproblem)
  • Batteriezustand (Alter, Kapazität, Tiefentladungen)
  • Software-/Komfortfunktionen (z. B. Telematik, Standheizung, regelmäßige Online-Updates)

Fazit: Mit sauberer Methode zum belastbaren Ergebnis

Wenn Sie wiederholt Startprobleme nach Standzeit haben, ist es sinnvoll, nicht nur die Batterie zu tauschen, sondern zuerst die Ursache zu klären. Wer den Ruhestrom misst, erhält einen objektiven Wert und kann damit unterscheiden, ob ein normaler Standverbrauch vorliegt oder ein echter „Stromfresser“ die Batterie leerzieht. Entscheidend sind eine korrekte Vorbereitung, das Abwarten des Schlafmodus und ein strukturiertes Eingrenzen über Sicherungen oder das Abklemmen von Zubehör.

Ergibt die Messung einen deutlich zu hohen Verbrauch, haben Sie bereits die halbe Diagnose geschafft: Mit dem betroffenen Stromkreis können Sie gezielt nach dem defekten Schalter, Relais oder Nachrüstgerät suchen. Bleibt das Ergebnis unklar, lohnt sich der Gang zur Fachwerkstatt, weil dort Steuergeräte-Zustände und Fehlerspeicher gezielt ausgewertet werden können. So sparen Sie Zeit, vermeiden unnötige Teilekäufe und schützen Ihre Batterie dauerhaft.