Zeigt das Kernthema des Artikels: korrektes Anziehen mit Drehmomentschlüssel und kreuzweises Vorgehen.

Radmuttern sicher anziehen: Drehmoment & Nachziehen-Pflicht

Ob Reifenwechsel in der Einfahrt oder ein Rad, das nach einer Panne wieder montiert wird: Radmuttern (bzw. Radschrauben) gehören zu den sicherheitskritisch Verschraubungen am Auto. Wer hier „nach Gefühl“ anzieht, riskiert im besten Fall Unwuchten und Schäden, im schlimmsten Fall ein loses Rad.

In diesem How-To Guide erfahren Sie, wie Sie Räder korrekt montieren, warum das Drehmoment der Radmuttern so wichtig ist und in welchen Fällen Sie nach dem Radwechsel unbedingt nachziehen müssen. Die Anleitung richtet sich an Privatpersonen – ohne Werkstattjargon, aber mit den Details, die wirklich zählen.

Das richtige Drehmoment der Radmuttern: Warum es entscheidend ist

Das Drehmoment ist die kontrollierte „Anzieh-Kraft“, mit der Radmuttern oder Radschrauben das Rad an die Radnabe pressen. Es wird in Newtonmetern (Nm) angegeben. Zu wenig Drehmoment bedeutet: Die Verbindung kann sich durch Vibrationen, Temperaturwechsel und Lastwechsel lösen. Zu viel Drehmoment bedeutet: Gewinde, Radbolzen oder Schrauben können sich überdehnen, Felgensitze können sich verformen – und beim nächsten Wechsel ist die Schraube im schlimmsten Fall festgefressen oder reißt ab.

Wichtig ist außerdem der Unterschied zwischen Radschrauben (häufig bei vielen europäischen Autos) und Radmuttern (oft bei Fahrzeugen mit Stehbolzen, teils auch bei Transportern oder einigen Importen). Das Ziel ist identisch: eine gleichmäßige, sichere Klemmkraft. Genau deshalb wird nicht „einfach rundherum“ festgezogen, sondern kreuzweise, damit die Felge sauber zentriert anliegt.

Typische Anzeichen für ein Problem sind metallische Klickgeräusche beim Anfahren/Abbremsen, ein schwammiges Gefühl in der Lenkung oder ein plötzliches „Schlagen“ ab ca. 60–90 km/h. Achtung: Solche Symptome können auch andere Ursachen haben (z. B. Unwucht), aber lose Radbefestigungen müssen Sie immer als Erstes ausschließen.

Merksatz: Das korrekte Radmuttern-Drehmoment ist kein Komfortthema, sondern echte Verkehrssicherheit – und schützt gleichzeitig Felgen, Nabe und Gewinde vor teuren Folgeschäden.

Werkzeug und Vorbereitung: Damit die Montage sauber gelingt

Bevor Sie überhaupt anziehen, schaffen Sie die Bedingungen für eine zuverlässige Verbindung. Sie brauchen nicht viel, aber das Richtige – und in gutem Zustand. Entscheidend ist ein Drehmomentschlüssel, der zum benötigten Bereich passt (bei Pkw oft etwa 80–200 Nm). Billige Modelle können funktionieren, sollten aber regelmäßig geprüft werden; hochwertige Schlüssel halten die Einstellung meist stabiler.

Diese Ausrüstung ist sinnvoll

  • Drehmomentschlüssel (passender Nm-Bereich)
  • Radkreuz oder Knarre zum Voranziehen
  • Passende Nuss (bei Alufelgen oft mit Kunststoffhülse gegen Kratzer)
  • Drahtbürste/Schleifvlies und ein sauberes Tuch
  • Wagenheber und Unterstellböcke (Sicherheit!)
  • Optional: etwas Bremsenreiniger für die Auflageflächen

Reinigen Sie die Auflageflächen: Radnabe und Felgenanlagefläche sollten frei von grobem Rost, Schmutz und losen Partikeln sein. Schon ein kleiner Rostbuckel kann dazu führen, dass sich die Felge später „setzt“ – dann ist das Drehmoment plötzlich geringer, obwohl Sie korrekt angezogen haben. Genau hier entsteht oft der Bedarf fürs Nachziehen.

Wichtig: Gewinde und Kegel-/Kugelbund sollten in der Regel trocken und sauber sein. Fett oder Kupferpaste verändert die Reibwerte – die Schraube erreicht bei gleichem Drehmoment eine höhere Vorspannkraft, was Überdehnung begünstigt. Wenn ein Hersteller ausdrücklich Schmierung verlangt, steht das im Handbuch oder in der Felgen-/Schraubenfreigabe. Im Zweifel: nicht schmieren, nur reinigen.

Räder sicher anziehen: Schritt-für-Schritt zum korrekten Sitz

Wenn Werkzeug und Flächen vorbereitet sind, folgt die Montage. Nehmen Sie sich Zeit: Die paar Minuten sparen später Ärger. Achten Sie darauf, dass Radschrauben/Radmuttern zur Felge passen (Kegelbund vs. Kugelbund, richtige Länge). Falsche Sitze oder zu lange Schrauben können die Felge beschädigen oder am Bremssattel/innen anstoßen.

  1. Fahrzeug sichern: Ebene Fläche, Gang einlegen/„P“ wählen, Handbremse anziehen. Radkeile nutzen, wenn vorhanden.
  2. Rad ansetzen: Felge plan auf die Nabe schieben. Bei Bedarf Zentrierring prüfen (bei Zubehör-Alufelgen häufig).
  3. Schrauben/Muttern von Hand eindrehen: Jede Befestigung erst einige Umdrehungen mit der Hand einschrauben. So vermeiden Sie schiefes Ansetzen und beschädigte Gewinde.
  4. Vorzugsweise über Kreuz voranziehen: Mit Radkreuz/Knarre nur handfest anziehen, ebenfalls kreuzweise (z. B. 1–3–5–2–4).
  5. Fahrzeug ablassen, aber nicht voll belasten: Das Rad sollte Bodenkontakt haben, damit es sich nicht dreht. Das Fahrzeuggewicht darf den Wagenheber aber noch nicht komplett entlasten (je nach Methode und Herstellerhinweis).
  6. Mit Drehmomentschlüssel endanziehen: Stellen Sie den Sollwert ein und ziehen Sie wieder kreuzweise an, bis der Schlüssel auslöst.
  7. Kontrollrunde: Nach dem ersten Durchgang noch einmal kreuzweise prüfen. Oft „setzt“ sich die Felge minimal.

Verwenden Sie zum Endanzug keinen Schlagschrauber. Er ist praktisch zum Lösen und zum schnellen Voranziehen, aber das exakte Drehmoment der Radmuttern treffen Sie zuverlässig nur mit dem Drehmomentschlüssel. Profi-Tipp: Wenn Sie den Drehmomentschlüssel nach der Arbeit verstauen, stellen Sie ihn auf den kleinsten Wert zurück (nicht auf „0“, sofern der Hersteller etwas anderes vorgibt). Das schont die Federmechanik.

Wann Nachziehen Pflicht ist – und wie Sie es richtig machen

„Pflicht“ klingt nach Gesetz – tatsächlich ist das Nachziehen meist keine explizite Vorschrift in der StVO, aber in vielen Fällen eine verbindliche Vorgabe aus Herstellerhinweisen, Felgen-ABE/Teilegutachten oder eine klare Sorgfaltspflicht. Gerade bei Zubehörfelgen steht häufig: Radschrauben nach 50 bis 100 km nachziehen. Ignorieren Sie das, riskieren Sie im Schadenfall Ärger, weil Sie eine bekannte Sicherheitsmaßnahme ausgelassen haben.

Typische Situationen, in denen Sie nachziehen sollten

  • Nach jedem Räderwechsel, besonders bei Alufelgen oder neuen Felgen
  • Nach Montage von Zubehörfelgen gemäß ABE/Herstellerangabe (oft 50–100 km)
  • Nach einer Panne/Notrad-Montage, sobald Sie wieder sicher anhalten können
  • Nach Arbeiten an Bremsen/Fahrwerk, wenn Räder demontiert waren
  • Wenn Sie neue Radschrauben/-muttern montiert haben

So ziehen Sie nach: Arbeiten Sie mit dem gleichen Sollwert wie beim ersten Anziehen. Nicht „ein bisschen extra“, sondern exakt. Prüfen Sie kreuzweise, und drehen Sie nur, wenn der Schlüssel auslöst, bevor die Schraube überhaupt Bewegung zeigt. Wenn sich mehrere Befestigungen deutlich nachziehen lassen, war entweder das Setzen stark (z. B. Rost an der Nabe) oder der erste Anzug war nicht korrekt. Dann lohnt es sich, die Anlageflächen noch einmal zu prüfen.

Planen Sie das Nachziehen aktiv ein: Legen Sie den Drehmomentschlüssel ins Auto oder setzen Sie sich eine Erinnerung. Ein kurzer Check nach den ersten Kilometern ist oft der Unterschied zwischen „alles gut“ und einem schleichenden Sicherheitsrisiko.

Häufige Fehler beim Anziehen – und was sie verursachen können

Viele Probleme entstehen nicht durch fehlendes Werkzeug, sondern durch kleine Routinefehler. Der Klassiker ist „zu fest“: Wer mit dem Radkreuz auf dem Schraubenkopf „steht“, kann Radschrauben überdehnen. Das Gewinde fühlt sich später rau an, Schrauben lassen sich schwer lösen oder brechen. Ebenso kritisch ist „zu locker“ – oft verursacht durch Endanzug in der Luft (Rad dreht mit), durch falsche Nm-Einstellung oder weil der Drehmomentschlüssel nie ausgelöst hat.

Diese Fehler sehen wir besonders oft

  • Schlagschrauber als Endanzug: führt leicht zu Überdrehmoment oder ungleichmäßiger Klemmkraft.
  • Falscher Schraubensitz (Kegelbund statt Kugelbund oder umgekehrt): die Felge liegt nicht korrekt an, es kann zu Losdrehen und Schäden am Sitz kommen.
  • Schmutz/Rost auf der Nabe: die Felge sitzt schief oder setzt sich später, das Drehmoment fällt ab.
  • Gewinde gefettet ohne Freigabe: veränderte Reibwerte, dadurch falsche Vorspannkraft trotz „richtiger“ Nm.
  • Keine Kreuzreihenfolge: Felge zentriert sich schlecht, es entstehen Spannungen und ein unruhiger Lauf.

Auch wichtig: Verwenden Sie nur Radschrauben in korrekter Länge. Zu kurze Schrauben greifen zu wenig Gewindegänge – das kann sich lösen. Zu lange Schrauben können innen an Bauteilen anstehen oder die Bremse beschädigen. Wenn Sie Spurplatten, Adapter oder andere Sonderteile fahren, gelten oft andere Schraubenlängen und teils andere Anzugswerte.

Wenn Sie unsicher sind, gehen Sie lieber konservativ vor: demontieren, reinigen, richtig ansetzen, dann erneut mit dem vorgesehenen Radmuttern-Drehmoment anziehen. Ein sauberer Neustart ist meist schneller als Fehlersuche.

Drehmomentwerte finden und Sonderfälle sicher lösen

Der richtige Nm-Wert steht nicht „irgendwo im Internet“, sondern idealerweise in verlässlichen Quellen. Erste Wahl ist das Bordbuch. Alternativ helfen Herstellerdatenbanken oder Angaben des Felgenherstellers (bei Zubehörfelgen). Wichtig: Der Wert kann sich unterscheiden je nach Felgentyp, Schraubenart und Fahrzeugvariante. Als grobe Orientierung liegen viele Pkw im Bereich 100–140 Nm, aber das ist keine Garantie.

So finden Sie den passenden Wert

  1. Betriebsanleitung prüfen (Kapitel Radwechsel/Räder)
  2. Hinweise im Tankdeckelbereich oder an der B-Säule beachten (nicht immer vorhanden)
  3. Felgen-ABE/Teilegutachten lesen (oft inklusive Nachziehhinweis)
  4. Bei Unsicherheit: Hersteller oder Fachbetrieb mit Fahrgestellnummer (FIN) fragen

Sonderfälle: Bei Noträdern gelten manchmal abweichende Hinweise (z. B. begrenzte Geschwindigkeit, aber meist gleicher Anzug). Bei frisch pulverbeschichteten Felgen oder neuen Zentrierringen ist das Setzen wahrscheinlicher – hier ist Nachziehen besonders wichtig. Bei Spurplatten können andere Drehmomentvorgaben für die Verbindung „Platte an Nabe“ und „Felge an Platte“ gelten; halten Sie sich strikt an die Montageanleitung.

Zum Abschluss eine Mini-Checkliste für Ihren Kopf: Sitzt die Felge plan? Stimmen Schraubenlänge und Sitzform? Sind die Flächen sauber und trocken? Wurde kreuzweise angezogen? Passt das Drehmoment der Radmuttern zur Quelle (Handbuch/ABE)? Wenn Sie diese Punkte abhaken, sind Sie auf der sicheren Seite.

FAQ: Häufige Fragen zum Drehmoment von Radmuttern & Radschrauben

Wie hoch ist das richtige Drehmoment für meine Radmuttern?

Der korrekte Wert steht im Bordbuch (Kapitel Radwechsel) oder in den Unterlagen der Felgen (ABE/Teilegutachten). Pauschalwerte aus dem Internet sind riskant, weil sich das Drehmoment je nach Fahrzeug, Felge und Befestigungsart unterscheiden kann.

Muss ich Radmuttern nach dem Reifenwechsel nachziehen?

Häufig ja. Bei Zubehörfelgen ist das Nachziehen nach 50–100 km oft ausdrücklich vorgeschrieben. Auch bei Serienfelgen ist es sinnvoll, weil sich Felge und Anlageflächen nach den ersten Kilometern minimal setzen können.

Warum soll man Radmuttern kreuzweise anziehen?

Damit die Felge gleichmäßig und zentriert an der Nabe anliegt. „Rundherum“ festziehen kann die Felge verkanten, was zu ungleichmäßiger Klemmkraft, Vibrationen und im schlimmsten Fall zum Lösen der Befestigung führen kann.

Darf ich Radschrauben oder Radmuttern einfetten (z. B. Kupferpaste)?

In der Regel nein. Schmierstoffe verändern die Reibwerte, wodurch bei gleichem Drehmoment eine höhere Vorspannkraft entsteht (Überdehnungs-/Schadensrisiko). Nur wenn der Hersteller es ausdrücklich vorgibt, ist Schmierung zulässig.

Kann ich mit dem Schlagschrauber auf Drehmoment anziehen?

Zum Lösen oder schnellen Voranziehen ist er praktisch, für den Endanzug ist er ungeeignet. Das exakte Drehmoment der Radmuttern sollten Sie immer mit einem korrekt eingestellten Drehmomentschlüssel anziehen.

Woran merke ich, dass Radmuttern locker sein könnten?

Mögliche Hinweise sind Klick-/Knackgeräusche beim Anfahren oder Bremsen, ein schwammiges Lenkgefühl oder Schlagen/Vibrationen während der Fahrt. Stoppen Sie sicher und prüfen Sie die Radbefestigung, da lose Räder ein akutes Sicherheitsrisiko sind.

Muss ich das Drehmoment „extra fest“ anziehen, damit es hält?

Nein. „Extra fest“ erhöht nicht die Sicherheit, sondern das Risiko von überdehnten Schrauben, beschädigten Gewinden und verformten Felgensitzen. Richtig ist: mit dem vorgegebenen Nm-Wert und kreuzweise anziehen.

Fazit: Räder sicher anzuziehen ist kein Hexenwerk, aber es verlangt System. Mit sauber vorbereiteten Anlageflächen, der richtigen Schraubenart und einem zuverlässig eingestellten Drehmomentschlüssel schaffen Sie eine stabile Klemmkraft – ohne Gewinde oder Felgen zu überlasten. Planen Sie außerdem das Nachziehen ein: Gerade nach Radwechseln mit Alufelgen oder Zubehörfelgen ist es oft vorgeschrieben und in jedem Fall sinnvoll, weil sich Bauteile anfangs setzen können. Wenn Sie konsequent kreuzweise anziehen, den Sollwert aus Bordbuch oder ABE nutzen und das Drehmoment der Radmuttern nach den ersten Kilometern kontrollieren, fahren Sie nicht nur ruhiger, sondern vor allem sicherer. Und falls doch einmal Unsicherheit bleibt: Lieber einmal mehr prüfen oder kurz beim Fachbetrieb nachfragen – bei Radbefestigungen gibt es keine „ungefähr richtig“.