Zusammenstoß beim Überholen von Fahrzeugkolonnen: Wer trägt die Verantwortung?

Zusammenstoß beim Überholen von Fahrzeugkolonnen: Wer trägt die Verantwortung?

(Bild, Will Truettner, unSplash)

Auf Landstraßen gibt es oft Autofahrer, die es besonders eilig haben und daher ganze Fahrzeugkolonnen überholen. Obwohl dies nicht verboten ist, müssen einige wichtige Regeln beachtet werden, wie ein aktuelles Gerichtsurteil zeigt.

Gerichtsurteil zur Haftung bei Überholmanövern

Ellwangen – Autofahrer sind nicht verpflichtet, am äußersten rechten Fahrbahnrand zu fahren, um anderen das Überholen zu ermöglichen. Kommt es bei einem solchen Überholmanöver zu einem Unfall, könnte der Überholende allein haftbar gemacht werden. Dies entschied das Landgericht Ellwangen in einem Urteil, das der ADAC veröffentlicht hat (Az.: 1 S 70/23).

Der Fall: Überholvorgang auf schmaler Landstraße

Im vorliegenden Fall befuhr ein Autofahrer eine fünf Meter breite Landstraße ohne Mittelstreifen oder Bankett, wo eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erlaubt war. Eine Kolonne von etwa zehn Fahrzeugen hatte sich gebildet, und der Fahrer versuchte, diese nach und nach zu überholen. Dabei kollidierte er mit einem der vorderen Fahrzeuge, wodurch ein Sachschaden entstand. Der Mann forderte daraufhin Schadenersatz von der gegnerischen Haftpflichtversicherung.

Argumente des Überholenden und der Versicherung

Sein Argument: Der andere Fahrer sei leicht nach links ausgeschert, als er selbst bereits beim Überholen war. Dadurch habe der andere Fahrer den Unfall allein verursacht, da er gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen habe.

Die Versicherung weigerte sich jedoch zu zahlen. Sie argumentierte, dass die kurvige und unübersichtliche Streckenführung sowie die relativ schmale Straße ein sicheres Überholen nicht zugelassen hätten. Deshalb habe der Mann bei unklarer Verkehrslage überholt und dadurch die Kollision verursacht. Der Fall ging vor Gericht.

Gerichtliche Einschätzung des Unfallhergangs

Das Gericht erkannte keinen Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot, obwohl der andere Fahrer nach einer Kurve nicht sofort wieder ganz rechts gefahren war. Da die Straße hinter der seitlichen Markierung direkt abfiel und kein Bankett vorhanden war, war es dem Fahrer nicht zumutbar, am äußersten rechten Fahrbahnrand zu fahren. Zudem deutete seine Geschwindigkeit von 63 km/h darauf hin, dass eine vorsichtige Fahrweise notwendig war. Der Überholende hingegen war mit 95 km/h unterwegs, als es zum Unfall kam.

Entscheidende Faktoren für das Urteil

Das Gericht stellte klar, dass es keine Verpflichtung gibt, besonders weit rechts zu fahren, um riskante Überholmanöver zu ermöglichen. Es betonte, dass das Überholen von Kolonnen grundsätzlich erlaubt ist, aber aufgrund der kurvigen und schmalen Straße in diesem Fall nicht gefahrlos möglich war.

Fazit: Überholender haftet allein

Das Fehlverhalten des Überholenden wog so schwer, dass die Betriebsgefahr des anderen Fahrzeugs zurücktrat. Zudem konnte nicht bewiesen werden, dass das Fahrzeug leicht nach links ausgeschert war. Das Gericht entschied, dass die Versicherung des Überholten nicht zahlen muss. Der Überholende haftet allein, da er bei unklarer Verkehrslage überholt hat.

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