KFZ-TechnikAuto-Trends 2026: Welche Technik den Alltag sicherer und einfacher macht
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Sie drücken auf das Fahrpedal, und der Wagen setzt sich nahezu lautlos in Bewegung. Es gibt weder eine Kupplung noch spürbare Gangwechsel oder Zugkraftunterbrechungen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass unter dem Fahrzeugboden überhaupt kein Getriebe arbeitet. Technisch stimmt das jedoch nur zum Teil: Die meisten Elektroautos besitzen sehr wohl eine Übersetzungseinheit – sie arbeitet lediglich so unauffällig, dass Fahrer sie kaum wahrnehmen.
Die Antwort auf die Frage, ob ein Elektroauto ein Getriebe hat, lautet deshalb: Ja, allerdings handelt es sich gewöhnlich nicht um ein mehrstufiges Schalt- oder Automatikgetriebe wie bei einem Verbrenner. Meist genügt ein festes Untersetzungsgetriebe mit nur einer Fahrstufe. Möglich macht das der Elektromotor, der bereits beim Anfahren ein hohes Drehmoment liefert und über einen breiten Drehzahlbereich effizient arbeitet.
Der Begriff Getriebe führt leicht in die Irre, weil viele Menschen dabei an einen Schalthebel und mehrere Gänge denken. Technisch bezeichnet er jedoch eine Baugruppe, die Drehzahl und Drehmoment übersetzt. Genau diese Aufgabe übernimmt das Getriebe im Elektroauto: Ein kleines Zahnrad auf der Motorseite treibt ein größeres Zahnrad an. Dadurch sinkt die hohe Motordrehzahl, während an den Rädern ein entsprechend höheres Drehmoment zur Verfügung steht.
Elektromotoren erreichen je nach Bauart deutlich mehr als 10.000 Umdrehungen pro Minute; die Räder benötigen davon nur einen Bruchteil. Eine feste Untersetzung – beispielsweise etwa 9:1 – verbindet beide Drehzahlbereiche. Das bedeutet vereinfacht: Dreht sich der Elektromotor neunmal, dreht sich das angetriebene Rad ungefähr einmal. Das genaue Übersetzungsverhältnis unterscheidet sich je nach Fahrzeug, Motor und gewünschter Höchstgeschwindigkeit.
Untersetzungsgetriebe und Differenzial sitzen häufig in einem gemeinsamen, kompakten Gehäuse an der Achse. Das Differenzial verteilt die Antriebskraft auf das linke und rechte Rad und ermöglicht in Kurven unterschiedliche Raddrehzahlen. Fachleute sprechen daher meist von einem Ein-Gang-Getriebe oder Reduktionsgetriebe. Zahnräder sind also durchaus vorhanden, nur muss der Fahrer keine Fahrstufe auswählen.
Ein Verbrennungsmotor liefert seine nutzbare Kraft nur in einem vergleichsweise schmalen Drehzahlfenster. Beim Anfahren benötigt er eine Kupplung oder einen Drehmomentwandler. Mit steigender Geschwindigkeit sorgen mehrere Gänge dafür, dass der Motor in einem günstigen Drehzahlbereich bleibt. Ohne diese Übersetzungsstufen würde er beim Anfahren abwürgen oder bei hohem Tempo ineffizient und mit zu hoher Drehzahl arbeiten.
Ein Elektromotor hat diese Einschränkung nicht in gleichem Maß. Er stellt bereits aus dem Stand ein hohes Drehmoment bereit und kann seine Drehzahl schnell sowie präzise verändern. Deshalb deckt eine einzige Übersetzung den Bereich vom langsamen Rangieren bis zur Autobahnfahrt ab. Die Entwickler stimmen sie als Kompromiss ab: kurz genug für kraftvolles Beschleunigen, aber lang genug für eine angemessene Endgeschwindigkeit und effizientes Reisen.
Das spart Bauteile, Gewicht und Reibungsverluste. Zugleich entfällt die sogenannte Zugkraftunterbrechung beim Schalten, sodass die Beschleunigung wie ein gleichmäßiger Schub wirkt. Grenzenlos ist das System dennoch nicht. Oberhalb einer bestimmten Drehzahl sinken je nach Motorauslegung Drehmoment und Effizienz. Hersteller begegnen diesem Effekt mit einer passenden Übersetzung, einer leistungsfähigen Kühlung und einer präzisen Motorsteuerung.
Der Akku erzeugt nicht selbst die Bewegung. Mehrere Komponenten reichen elektrische Energie und mechanisches Drehmoment weiter. Vereinfacht läuft der Antrieb in vier Schritten ab:
Für die Rückwärtsfahrt ist in der Regel kein separates Zahnradpaar erforderlich. Die Leistungselektronik ändert stattdessen die Drehrichtung des Elektromotors. Auch beim Rekuperieren bleibt der Kraftweg aktiv: Die Räder treiben den Motor an, der nun als Generator arbeitet und Bewegungsenergie in elektrische Energie umwandelt. Diese fließt zurück in den Akku, sofern dessen Ladezustand und Temperatur das zulassen.
Die Ein-Gang-Lösung dominiert, ist aber kein technisches Naturgesetz. Besonders leistungsstarke Fahrzeuge können von zwei Übersetzungen profitieren. Ein kurzer erster Gang verbessert die Beschleunigung, während ein längerer zweiter Gang die Motordrehzahl bei hohem Tempo senkt. Der Porsche Taycan und der Audi e-tron GT verwenden beispielsweise ein Zwei-Gang-Getriebe an der Hinterachse.
Solche Konstruktionen entschärfen den Zielkonflikt zwischen starkem Antritt, Effizienz und hoher Endgeschwindigkeit. Sie benötigen jedoch zusätzliche Zahnräder, Schaltelemente und eine aufwendigere Regelung. Dadurch steigen Gewicht, Kosten und konstruktiver Aufwand. Für die meisten Alltagsfahrzeuge überwiegen deshalb die Vorteile einer festen Übersetzung.
Mehrere Elektromotoren bedeuten ebenfalls nicht automatisch mehrere Gänge. Ein elektrischer Allradantrieb kann an Vorder- und Hinterachse jeweils einen eigenen Motor mit fester Untersetzung besitzen. Die Antriebsleistung wird dann elektronisch zwischen den Achsen verteilt.
Das Getriebe eines Elektroautos ist wartungsarm, aber nicht grundsätzlich wartungsfrei. Im Gehäuse befindet sich Schmierstoff, der Zahnräder und Lager schützt. Ob und wann ein Ölwechsel vorgesehen ist, legt der Hersteller fest. Bei manchen Modellen gibt es kein reguläres Wechselintervall. Ölspuren, mahlende Geräusche, Vibrationen oder ungewöhnliches Spiel sollten dennoch von einer Fachwerkstatt geprüft werden.
Beim Abschleppen ist die Betriebsanleitung maßgeblich. Auch in der Fahrstufe „N“ können Räder und Elektromotor über die feste Untersetzung mechanisch verbunden bleiben. Drehen sich die Räder während des Abschleppens, kann der Motor unkontrolliert als Generator arbeiten oder das Getriebe unzureichend geschmiert werden. Viele Hersteller schreiben daher den Transport auf einem Abschleppwagen vor.
Ein Elektroauto besitzt meist ein Getriebe, jedoch fast nie die komplexe Gangstaffel eines Verbrenners. Eine feste Untersetzung macht die hohe Drehzahl des Elektromotors für die Räder nutzbar, erhöht dort das Drehmoment und leitet die Kraft über das Differenzial weiter. Dass Fahrer davon kaum etwas bemerken, ist kein Zeichen fehlender Technik, sondern das Ergebnis einer kompakten und effizienten Konstruktion.
Zwei-Gang-Lösungen bleiben gezielte Ausnahmen für Fahrzeuge, die extreme Beschleunigung mit hoher Endgeschwindigkeit verbinden sollen. Für Privatkäufer ist die Zahl der Gänge daher weniger wichtig als die Abstimmung des gesamten Antriebs. Effizienz, Geräuschniveau, Leistungsentfaltung und Wartungsvorgaben sind im Alltag deutlich aussagekräftiger.
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